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Projekte - Ideen - Menschen

15/2006

Muhammad Yunus war schon immer der Meinung , dass arme Menschen für sich selbst sorgen können, wenn man ihnen etwas zutraut. Und 1976 hatte er eine verrückte und von vielen belächelte Idee. Er gründete in Bangladesh eine Bank, die Kleinstkredite an Arme vergibt, die Grameen-Bank. Seine Kunden sind Menschen, die keinerlei Sicherheiten besitzen und bei einer normalen Bank noch nicht einmal zur Türe hereinkämen. Und er verleiht Beträge, für die sonst ein Schalterbeamter nicht den Bleistift zücken würde. Aber meist sind es diese kleinen Beträge, deretwegen Menschen ein Leben lang zur Armut verdammt sind oder sich eben ein eigenständiges Leben in Würde erwirtschaften können. Studien zufolge hat jeder zweite Grameen-Kunde mit einem eigenen Unternehmen den Sprung aus der Armut geschafft.

glückliche SchuldnerinGlückliche Schuldnerin:
Nazma Begum will in ihrem Heimatdorf
Narayangonj Hühner züchten.
Dafür hat ihr die Grameen-Bank Geld geliehen –
und Vertrauen geschenkt


Heute beschäftigt Muhammad Yunus 18000 Angestellte in 2000 Dorffilialen. Er macht Geldgeschäfte mit sechs Millionen Familien, die fast alle in Armut leben. Allein 2006 hat er mit insgesamt 800 Millionen US-Dollar Tausende von kleinen Hühnerfarmern und Reisbauern finanziert, ihnen den Kauf von Nähmaschinen oder Teebuden am Rand lehmiger Feldwege in den Dörfern von Bangladesch ermöglicht. Und er bekommt 98,4 Prozent des verliehenen Geldes pünktlich und mit Zinsen zurück.

Das Geniale an seiner Idee: er setzt nicht auf materielle Sicherheiten sondern auf das  soziale Netz und die Kompetenz der Armen. Seine Kredite vergibt er überwiegend an Frauen - und das in einem islamischen Land. Und er vergibt sie immer an eine Gruppe, nicht an Einzelpersonen. Das führt dazu, dass eine Geschäftsidee von mehreren geprüft wird, schließlich müssen alle dahinter stehen. Und der soziale Verband spornt die Frauen zusätzlich an mit ganzer Kraft für den Erfolg des Unternehmens zu kämpfen.

Man kann Yunus durchaus vorhalten, dass sein Konzept die Armen, die nicht mehr unternehmerisch tätig sein können, nicht erreicht und kritisieren, dass er zwanzig Prozent an Zinsen nimmt. Seine Idee, auf die Kompetenz der Armen selbst zu bauen, ohne materielle Sicherheit in sie zu investieren und der Welt zu zeigen, dass Zutrauen sich auszahlt, war für das Nobelpreiskomitee so überzeugend, dass ihm am 10. Dezember der Friedensnobelpreis in Stockholm überreicht wurde.

Und auf der ganzen Welt wurde die Idee der Mikrokredite als ein äußerst wirksames mittel gegen die Armut aufgegriffen

weitere Infos und links zum Thema Mikrokredite bei Wikipedia
Mein Favorit für Mikrokredite: Oikocredit
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23. Februar 2007

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